• Danilo © Andrea StojanovićDanilo © Andrea Stojanović
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Wie Himmel und Hölle

Danilo kommt aus Berane in Montenegro und hat als Betriebswirt in Podgorica eine Reinigungsfirma aufgemacht. Ein Gespräch bei einer Wanderung in den montenegrinischen Bergen.
Von Andrea Stojanović

Danilo: Ich arbeite selbstständig und habe seit 2008 eine Firma „Agentur für professionelle Reinigung und Instandhaltung“. In den vergangenen sechs Jahren ist das meine Arbeit und Haupteinnahmequelle. Ich bin diplomierter Betriebswirt und habe das erste Jahr nach dem Studienabschluss in einem Handelsbetrieb als Kaufmann gearbeitet. Danach habe ich bei „Delta Maxi“, einer regionalen Handelskette, als „category manager“ gearbeitet, als Manager für die Kategorie „Getränke“. Die Schulung dafür hat zwei Monate in Belgrad gedauert, gearbeitet habe ich danach ein Jahr in Podgorica. Das war eine sehr anstrengende Zeit, da viel zu viel gearbeitet wurde und die Bezahlung nicht auf demselben Niveau war. Das hat mich dazu bewogen, ein eigenes Geschäft anzugehen. Weil ich den Eindruck hatte, für so viel Arbeit zu wenig entlohnt zu werden und dass ich mit meiner Arbeit mehr und etwas Besseres erschaffen könnte.

Welche Bedeutung hat deine Arbeit für dich?

Im Grunde betrachte ich jede Arbeit vor allem als eine Möglichkeit für ein Einkommen. Denn wenn du nicht arbeitest, dann kannst du weder dir noch deiner Familie eine Existenz ermöglichen. Auf der anderen Seite hat Arbeit einen positiven Einfluss auf den Menschen und trägt zu seiner Entwicklung bei; durch die Kontakte zu anderen Menschen oder indem sie einem zu neue Ideen verhilft.

Und bist du von deiner Arbeit abhängig?

Nein, bin ich nicht. Ich bin kein Workaholic. Ich beschäftige mich nicht damit, dass ich zu jedem Preis eine bestimmte Arbeit ausführe. Wenn ich bemerke, dass ich genug von einer Arbeit habe, dann ist es für mich das geringste Problem, diese zu wechseln. Ich habe keine Angst davor, eines Tages keinen Job mehr haben und somit meiner Familie keine Grundlage verschaffen könnte. Ich denke, dass ein Jobwechsel positiv ist und dass man auch Branchen wechseln sollte. Das bereichert einen.

Was ist dir als Firmeninhaber bezüglich der Geschäftsführung besonders von Bedeutung? Welches Verhältnis hast du zu deinen Angestellten?

Die Organisation ist in erster Linie das Wichtigste – sofern du eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit anstrebst. Es existiert ein erschwerender Umstand, wenn du alleine arbeitest: Jegliche Last fällt auf dich. Das Marketing, die Organisation, die Buchhaltung usw… D.h. all das macht buchstäblich ein Mensch. Der zweite erschwerende Umstand ist für jene, die etwas träger sind so wie ich, dass man sich selber einen Ruck geben muss.

Als ich noch in einem System gearbeitet habe, z.B. wie es bei „Delta“ herrscht, geschah alles unter Druck, und ich habe wirklich gute Ergebnisse erzielt. Denn der Mensch schwimmt mit, begibt sich in eine Furche und muss sich ganz einfach nicht selber zum Arbeiten zwingen. Denn es gibt genug Arbeit, die du machen musst, und somit arbeitest und arbeitest du. Aber so, wenn du alleine arbeitest und dich selber antreibst, dann ist es um einiges schwieriger. Wenn du deine Arbeit selber organisierst, dann denkst du: „Warum soll ich um sieben, acht Uhr aufstehen, wenn ich auch um zehn aufstehen und mich ausschlafen kann?“

Was meine Arbeiter anbelangt, ist mir ein korrektes Verhältnis zu ihnen besonders wichtig. Ich habe nicht viele Arbeiter. Fünf, sechs Angestellte. Alle, die bei mir zu arbeiten begonnen haben, sind auch geblieben. Was für mich wiederum ein Zeichen ist, dass sie mit meinem Verhältnis ihnen gegenüber zufrieden sind.

Ich bevorzuge einen demokratischen Führungsstil. Ich unterhalte mich mit ihnen, da ich der Meinung bin, dass sie über gewisse Dinge mehr und besser als ich Bescheid wissen können, da sie vor Ort arbeiten. Meine Arbeit ist keine besondere Wissenschaft und bezieht sich auf die Aufsicht der Arbeiter. Ich habe definitiv ein korrektes Verhältnis zu ihnen.

Was war dir wichtig als du noch in einer anderen Firma gearbeitet hast und einen Vorgesetzten hattest?

Das Verhältnis, das ich zu meinen Arbeitern habe, ist im Vergleich zu dem früher wie Himmel und Hölle. Das ist ein großes System, bei dem die Prozeduren der Gesetze bekannt sind und in dem die Hierarchie respektiert werden muss. Das war praktisch gesehen ein Heer und kann nicht mit dem verglichen werden, was ich jetzt mache. Die korrekten Verhältnisse zu einander sind in einer Firma besonders wichtig. Denn ich habe den Eindruck, dass die Arbeiter, wenn du auch eine freundschaftliche neben der professionellen Ebene schaffst, dass sie fast eine moralische Verpflichtung dir gegenüber haben, sich mit einer guten Arbeit bei dir für das korrekte Verhältnis ihnen gegenüber zu revanchieren.

Sind deine Angestellten hauptsächlich Frauen? Und wonach richtet sich die Bezahlung für ihre Arbeit aus?

Ja, es sind hauptsächlich Frauen. Obwohl: für gewisse schwierigere Aufträge engagiere ich auch Männer. Entlohnen tue ich sie abhängig davon, wie sie arbeiten. Aber nicht in dem Sinn, dass nach einer getanen Arbeit gewisse Arbeiter höher und andere niedriger bezahlt werden. Sondern in Anbetracht dessen, dass ich bereits sechs Jahre hauptsächlich mit denselben Menschen zusammenarbeite, weiß ich genau, wen ich für welche Aufträge anstelle.

Somit engagiere ich für aufwendigere Aufträge diejenigen, die die besseren Arbeiter sind. Das Resultat ist also, dass ich besseren Arbeitern mehr als den schlechteren zahle. Aber generell sind alle glücklich, da ich ihnen immer so viel bezahle wie vereinbart wurde. Bevor mit der Arbeit begonnen wird, sprechen wir uns stets ab, für wie viel Geld sie es machen wollen. Alles in allem gebe ich dem Arbeiter immer so viel wie er auch verdient oder etwas mehr. Denn ich bin der Meinung, dass es besser ist, einen zufriedenen als unzufriedenen Arbeiter zu haben; denn ein Zufriedener wird sich dir stets durch gute Arbeit als dankbar erweisen. All das trägt zu einer gewissen Harmonie und einem angenehmen Arbeitsumfeld bei, was vielleicht auch eine Kern-Vorbedingung für gute berufliche Ergebnisse ist, und aus dem Winkel eines Arbeiters betrachtet vielleicht sogar wichtiger  ist als der Verdienst.

Was macht dich persönlich glücklich?

Eine gesunde und glückliche Familie. Vor ein paar Tagen habe ich meine Kinder beim gemeinsamen Lachen belauscht und habe es genossen und darüber nachgedacht, dass es kein größeres Glück gibt, als zu erleben, gesunde und glückliche Kinder und Familie im Allgemeinen neben dir zu haben. Von den weniger wichtigen Dingena so glaube ich, dass für das Glück ein HOBBY von Bedeutung ist.

Denn: Eine Arbeit kannst du lieben oder nicht. Aber wenn du ein Hobby hast, das deine Energie wieder auffüllt, dann fällt dir selbst die Arbeit nicht schwer, die du nicht liebst. Mein Hobby: Alle Aspekte von Aktivitäten in der Natur. Gerade eben hat das Bergsteigen jegliche Priorität.

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