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When you clearly know what you want…

 .. you’ll wake up every morning excited about life!

Lange habe ich mich gefragt, wie das funktioniert bei all den glücklichen Menschen,

Von Miriam Mayrhofer

.. die einem schon in der Früh mit einem Lächeln entgegenkommen – mit so einem zufriedenen heiligen Lächeln, da wurde ich meist noch grantiger. Die haben ja keine Ahnung, die müssen anscheinend nicht arbeiten, die haben vielleicht keine Kinder und wissen nicht, wie es ist, funktionieren zu müssen. Die haben wahrscheinlich genug Geld, keine Schulden, keine Termine, die belügen sich ja nur selber, sind einfach gescheiter als ich oder nehmen Drogen, haben eine bessere Ausbildung, mehr Glück, den besseren Job, einfach ein besseres Leben. Auf jeden Fall hatte ich keinen positiven Gedanken für die Zufriedenheit und das Glücklich sein der anderen – zumindest nicht in der Früh.

Heute gehöre ich auch zu denen, die schon in der Früh lächeln und anderen vielleicht so auf die Nerven gehen. :)

Diese vielen weisen Sprüche wie zum Beispiel: Nimm dir mehr Zeit, sei achtsam, lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter….. mit denen will ich gleich gar nicht kommen. Was ich gelernt habe in den letzten zwei Jahren: Dieses Lächeln ist in jedem, aber der Weg dorthin ist nicht immer einfach. Es kostet Kraft, Disziplin und kann auch wehtun. Nur zu oft wird  bloß von dem schönen Ergebnis geredet. Wie von einem Gipfelsieg, aber nicht von den erfrorenen Gliedmaßen, die es eventuell gekostet hat.

Ich möchte so offen sein wie nur möglich und darüber erzählen, wie ich zu diesem Lächeln („wieder“) gefunden habe. Um vielleicht so Mut zu machen, es nicht soweit kommen zu lassen, wie ich es getan habe, sondern schon früher auf sich selbst zu hören und die Verantwortung zu übernehmen für sein Leben.

Mein Weg war hart, kostete mich viele Tränen, tat manchmal körperlich weh, und ich gestehe, er war nicht freiwillig gewählt. Es ist mir „passiert“, ich wurde sozusagen hineingeworfen. „Der Mensch lernt durch Einsicht oder Katastrophen“. Ich brauchte sichtlich die Katastrophe. Ich war nicht depressiv und eigentlich immer ein fröhlicher Mensch, nahm mir Zeit für meine Kinder, meine Freunde und machte laut Anleitungen viel richtig.

Zu mir:

Ich bin Alleinverdienerin mit zwei Kindern, sozusagen immer am Limit – nach der mindestens 40–50-Stunden-Woche kam das Haushaltsmanagement inklusive Aufmerksamkeits- und Liebesmanagement, Fitnessmanagement, Weiterbildungsmanagement und sozialen Verpflichtungen samt Vereinstätigkeit als Obfrau, natürlich viel, aber ich tat es auch gern und war einfach gut organisiert.

Vor zwei Jahren ca. hat mich mein Körper so stark gewarnt, dass ich leider gar nicht mehr arbeiten konnte. Statt mein wohlverdientes Wochenende zu genießen, lag ich an einem Samstagabend in der Notaufnahme, weil ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt. Nichts ging mehr. Die oft zitierten Beschwerden für ein Burn-Out mit Bluthochdruck, Panikattacken, eingeschlafenen Armen, Schlafstörungen, Herzschmerzen – alles hat mich auf einmal befallen, als würde es eine Party mit mir feiern.

Mein erster Gedanke war: „Wie peinlich“,  ich habe eine Panikattacke. Ich, die immer alles im Griff hat, ich bin ein Fehler, mir darf doch so etwas nicht passieren. So schlecht geht es mir doch nicht. Die Kreislaufprobleme kommen nur vom unregelmäßigen Essen und zu wenig Schlaf. Reiß dich zusammen! Du hattest halt ein bisschen Stress,  du hast doch alles. Zwei bis drei Wochen und dann geht’s schon wieder.“

Dazu kommen  noch Gedanken als Zuckerguss über die Angst:  Ich darf ja nicht krank sein! Was werden die anderen von mir denken? Ich habe kein psychisches Problem. So finde ich nie wieder eine Arbeit! Wie fülle ich die Lücke in meinem Lebenslauf? Ich kann ja nicht einfach machen, was ich will. Wo kämen wir dahin, wenn das jeder täte! Wer glaubst du, dass du bist, dass du einfach nichts tust. Ein Jahr noch, dann kann ich ja den Job wechseln, sonst schaut es aus, als würde ich zu schnell aufgeben. Dieses Projekt noch! Ich brauche doch das Geld! Wenn das die anderen schaffen, dann muss ich das doch auch können! Das ist nur ein kleiner Auszug aus den Gedanken, die es nicht zulassen, auf uns, unseren Körper zu hören.  Und so funktionieren wir weiter, weiter und weiter bis nichts mehr geht.

Also 2- 3 Wochen, dann geht es schon wieder. Ich hatte falsch gedacht: Ein längerer Krankenstand wurde mir verschrieben. Ich wollte das überhaupt nicht annehmen,  > Weiter lesen

da ich dachte, ich habe das schon im Griff, so schlecht geht es mir ja nicht. Und der Gedanke: Ich muss ja arbeiten gehen, sonst verliere ich meinen Job, ich habe ja zwei Kinder! Wenn die mich für die Zeit des Krankenstandes ersetzen müssen, werde ich eventuell gar nicht mehr gebraucht! …… Gedanken, die für eine Heilung in einem Zustand mit  Panikattacken nicht unbedingt förderlich sind.

Die Scham, darüber zu reden, war anfangs  sehr groß,  und es kostete mich große Überwindung, darüber zu reden. Jedoch merkte ich schnell, ich bin damit nicht allein. Als ich offen darüber redete, wie es mir geht, merkte ich, wie vielen es gleich erging und ergangen ist – trotz unterschiedlichster Geschichten, und bei wie vielen es sich gerade langsam heranschleicht.

Plötzlich sah ich ganz klar,  wie wir uns selber überholen, uns zu  einer „Marke“ machen, Leistungen von uns fordern, die nicht unseren Fähigkeiten entsprechen, Konzepte und Überzeugungen leben, die nicht unsere sind, ein Tempo haben, das nicht unserem entspricht, und von uns Dinge fordern, die uns nicht gut tun.

Der Klassiker – Beruf – Familie – Life – Balance – bei mir war nichts mehr in Balance. Ich musste vieles nochmals neu lernen. Meinen starren Alltag habe ich aufgebrochen, viele Überzeugungen, wie es zu sein hat, habe ich über Bord geworfen. Dieser Prozess war nicht immer  sehr angenehm, und machte mir manchmal auch Angst. Das berühmte loslassen! Ich dachte, ich fliege nun aus dem Kollektiv heraus, die anderen werden mich für verrückt halten, wenn ich wirklich das mache, was ich will und mir gut tut.

Ich nahm mir die Zeit herauszufinden, was wirklich meine Überzeugungen sind, und versuchte das zu tun, was mir gut tut. So lernte ich wieder, wie sehr ich es liebe zu lesen, einer ganzen CD aufmerksam zuzuhören,  einfach „nichts“ zu tun, in die Wolken zu schauen und diese vorbeiziehen zu lassen.

Und siehe da -  nach einiger Zeit konnte ich dieses Nichtstun genießen, fand eine große Fülle darin und wurde aktiver denn je in meinem Leben, da ich langsam  wieder Energien hatte, um Ideen zu haben. Nun hatte ich die Zeit um zu reflektieren und auch mal einen Gedanken fertig  zu denken. Nun ließ ich mich nicht mehr dazu zwingen, ständig im Eilschritt „unterwegs“ zu sein und mich von kollektiven Überzeugungen und Gedanken, die nicht meine waren, überholen zu lassen.

Ich lernte wieder, mir Gutes zu tun, was schwieriger war als gedacht. Anfangs kostete es mich viele Tränen, da ich einfach nicht mehr wusste, was mir gut tut. Generalstabsmäßig tat ich ziellos Dinge die mir empfohlen wurden, denn ich musste ja schnell wieder „gesund“ werden. Ich probierte  Walken, Schwimmen, sämtliche andere Sportarten,  in die Sauna gehen, Meditieren, Achtsamkeitsübungen und eine Gesprächstherapie. Manches half, manches nicht. Bis ich einfach anfing, mir selber Meditieren beizubringen, wie es mir gut tut, ich ging jeden Tag spazieren -  in meinem Tempo – und nicht immer im Grünen (ich ging auch gern durch die Stadt), kochte mir gutes Essen, das mir wirklich schmeckte, schaute nicht mehr  ziellos fern, hörte nur mehr gute Musik – und langsam, nach gut drei Monaten, stellte sich wieder eine Zufriedenheit ein. Für mein Zeitgefühl natürlich extrem langsam, denn ich wollte das ja in drei Wochen erledigt haben ;).

Um sich Gutes zu tun, benötigt es Verantwortung (was für mich gleichzusetzen wäre mit Selbstliebe) und Disziplin (was für mich gleichzusetzen wäre mit sich Zeit nehmen). Die Verantwortung und die Disziplin fallen einem nicht zu, und wenn, dann hält es nicht an. Die Verantwortung ist notwendig, um auf sich selber zu hören, nicht darauf zu vertrauen, es wird dann schon besser, irgendwann wird’s passieren, die anderen machen es mir so schwer, ich habe keine Zeit – und was einem sonst noch so einfällt, damit man eben nicht das tut, was einem wirklich gut tut. Bis man vergessen hat was einem noch gut tut.

Die Disziplin möchte ich jedem nahe legen. Sich die Zeit für sich nehmen. Nur so können wir dem Vergessen entgegenwirken und uns ständig daran erinnern, was wir sind und was wir brauchen. Ich selbst erinnere mich ständig daran durch einen  Spruch, ein Symbol,  ein Bild oder eine Skulptur oder Bücher so platziert, dass ich sie jeden Tag sehen muss.

Es gab keine Trompeten, Engelsgesänge ein helles Strahlen als ich die Erkenntnis hatte ich habe die Verantwortung, ich habe die Macht darüber zu entscheiden wie es mir geht wie ich denken möchte und was ich tun möchte. Sooft habe ich es gehört, gesehen, gelesen – doch nun verstand ich es – spürte es im ganzen Körper.

In meiner Erkenntnisarroganz dachte ich so jetzt habe ich es. Jetzt kann ich wieder durchstarten.

Anfangs war  ich entsetzt darüber wie ich vorher so leben konnte, so unfrei, unreflektiert, gedankenlos und es mir selber so schwer gemacht habe und mir so selten Gutes tat. Geschweige mir erlaubt hätte die Frage zu stellen, was brauche ich eigentlich. Ich empfand mich nicht einmal so unzufrieden, weil ich ja auch nicht wirklich nachdachte.   Freunde von mir würden nun aufschreien, dass ich maßlos übertreibe mit dieser Schilderung, da ich mich immer intensiv mit Lebensfragen  auseinander gesetzt habe und ein verantwortungsvoller Mensch bin. Doch ich gab sichtlich  zu oft die Verantwortung ab, sonst wäre mir das alles nicht passiert.

Gerne hätte ich jemanden gehabt, der mir das gesagt hätte oder ein Buch, in dem es für mich so klar formuliert worden wäre, dass ich es verstanden hätte:

Du hast die Verantwortung, du brauchst dafür Disziplin, es ist anfangs hart, aber es wird leichter und du hast jeden Tag die freie Wahl. Du hast die Macht zu entscheiden wie es dir geht.  Stelle dir die Frage: Wer bist du? -  Was willst du?

Diese Fragen kannst du dir jeden Tag stellen, nichts weiter, so einfach ist es.  Nur zwei Fragen. Diese kannst nur du ganz allein für dich beantworten. Dafür gibt es kein Rezept, kein Konzept, keine Pille, keinen Kurs, keine Religion, keinen Meister, keinen Guru, kein Programm, kein Buch, keine eine Wahrheit.  Die Antworten sind so verschieden, wie es verschiedene Menschen gibt.

Du findest Hilfe in Beschreibungen, aber keine Antworten. Und wenn du es – deine Antwort gefunden hast – bist du nicht fertig (erleuchtet / besser)– entscheide dich jeden neuen Tag für das, was du bist und was du sein willst – du hast die freie Wahl – um zu deinem Lächeln zu gelangen.

Jetzt arbeite ich endlich richtig! Ich arbeite ständig an mir. Nun höre ich  mir zu, um so aus meinem inneren Antrieb heraus arbeiten zu können – natürlich auch mit Herausforderungen.

Wenn wir uns Gutes tun,  tun wir anderen gut!

Und wenn ich mich mal wieder überhole- auf mich vergesse – dann bekomme ich zb. von meinen Kindern gesagt: „Mama – bitte nimm dir deine Zeit, ich vermisse dein Lächeln.“

Lesetipp: “Die große Burn-out-Lüge – oder was uns wirklich schwächt”

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