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UNENDLICH JETZT! Es gibt keine Rezepte, nur Wachsamkeit und Achtsamkeit

Teil 3 des Interviews mit Jasmine und Roman, hier geht es insbesondere um deren Film “Unendlich jetzt” der im Kino lief und als DVD jetzt heraus kommt.

von William Franck

Wie kam es zum letzten Film, „Unendlich jetzt“?

 

Roman: Ja. Das Thema Zeit hat mich schon erreicht über die Fertigstellung von „Das Glück der anderen“. Über den Soziologen Hartmund Rosa, der ziemlich prägnant und pointiert das Beschleunigungsphänomen analysiert. Das hat mich schlagartig fasziniert. Ich habe sehr viele von meinen Befindlichkeiten in seinen Analysen wiedergefunden und habe mir gedacht, es wäre ein spannendes Thema Zeit filmisch aufzuarbeiten.

Witzigerweise war die ganze Zeit die Frage, wie kann so ein Film überhaupt heißen. Unabhängig davon, wie man es das dramaturgisch angehen kann… Überhaupt der Titel… Ich habe mir lange Zeit Gedanken über den Titel gemacht… Dann habe ich es auch wieder gelassen.

Zeit auch verging, aber die Faszination zu dem Thema ist nicht verschwunden.

Dann ist eine Peru-Reise ins Haus gestanden, zu einem Schamanen in so einem Urwald-Camp.

 

Wart ihr zusammen dort?

Roman: Ja, wir haben uns dort kennen gelernt.

Ich hatte mir gedacht: „Wenn es jetzt schon nach Peru geht und zum Schamanen, kaufe ich mir eine kleine Kamera und mache zumindest ein Interview mit diesem Schamanen. Und nehme das als Startschuss für diesen Zeit-Film, weil der Schamane hat sicher gute Zugänge zum Thema Zeit“. So bin ich nach Peru mit der Kamera und habe gleich einmal die Amazonas vom Schiff gefilmt. Während den schamanischen Zeremonien sind dann Türen ins eigene Bewusstsein aufgegangen… Türen in die eigene Unendlichkeit, wo ich mich selbst als komplett anderes Wesen erfahren habe, und dementsprechend in eine komplett andere Zeit- und Raumdimension gestellt war. Plötzlich habe ich gemerkt, es gibt auch andere Zeitdimensionen. Dann ist der Titel auch aufgetaucht: Unendlich jetzt. Der eigentlich einer authentischen Erfahrung entspricht.

Eben, wir haben uns in Peru kennengelernt, Jasmine und ich. Zurück von Peru war so viel Energie auch da und soviel Mut und so viel authentische Erfahrung auch, und die Jasmine war auch begeistert von dem Thema, so dass wir gesagt haben, jetzt fangen wir an und wir lassen uns auf dieses Vertrauen ein und versuchen mit den Zeitqualitäten, die uns wichtig sind, einen Film über Zeit zu machen. Ausgehend von diesem spirituellen Erfahrungen in Peru. Und die dann aber auf eine Realität knallen bei uns, die das komplette Gegenteil ist. Insofern ist der Film nicht spirituell, sondern ein Versuch, zwischen diesen beiden Welten zu vermitteln. Einerseits zwischen einer Ewigkeitsdimension und gleichzeitig zwischen einer Gesellschaft oder Realität, in der wir uns da wiederfinden, die eben glaubt, dass sie die Ewigkeit immer in dieses Materielle holen muss. Oder in den Wachstum holen muss. Und sich so permanent in einer Spirale nach oben dreht. Und so in diesem ganzen Wirrwarr haben wie uns auf diesen Film eingelassen und versucht, da andere Zugänge und andere Parallelrealitäten zu bauen – filmisch.

Eben dann aber wichtig auch, diese Zeitqualität bei uns selber dann zuzulassen. Den Film entstehen zu lassen ohne den inneren Druck. Ohne dieses schuldige Subjekt, das jetzt immer glaubt, jetzt machst du ein eigenes Projekt, das machst du konsequent und fleißig, wie man es doch wieder gewohnt ist – auch bei den eigenen Projekten diese alten Muster wieder einzusetzen; das war für mich auch die Herausforderung, das zuzulassen. Wenn sich Dinge dann gesperrt haben, nicht mit übermäßiger Gewalt und Druck das durchzusetzen, sondern die Augen und Ohren aufzumachen und zu schauen, vielleicht kommt jetzt etwas anderes. Vielleicht ist jetzt Zeit für eine Pause. Und dann wieder in einen dynamischen Arbeitsprozess zu kommen. Das ist eben unsicher, weil man nicht weiß, wie lange wird das dauern. Aber es ist, wie Jasmine vorhin gesagt hat: Im Rahmen dieser Zeitqualität, wenn man das wirklich ernst nimmt, entstehen die Dinge unheimlich schnell. So haben wir jetzt in zwei Jahren einen 90minütigen Film from the scratch sozusagen hergestellt. Das ist für mich rückblickend gesehen sehr schnell. Natürlich war nebenbei auch zu arbeiten, und nebenbei ist die Viola gekommen – also alles Dinge, die die Zeiträume auch durchaus herausfordernd gestaltet haben. Aber das ist dann alles möglich, wenn man auf diese Qualitäten hört.

Das ist auch kein Prozess, der abgeschlossen gehört. Wo man sagt: Jetzt habe ich es begriffen, so geht es jetzt immer. Das ist kein Rezept und kein Programm. Das ist immer neu. Und immer auch bei sich selbst neu zu entdecken und zu erforschen. Und es hat viel mit Wachsamkeit und Achtsamkeit sich selbst gegenüber zu tun. Und diesen Gefühlen immer wieder auch nachzugeben und auch gegen diesen Verstand, der noch immer antreibt. Auch wenn man glaubt, man ist schon lang auf dem Weg; aber immer gibt es im Hintergrund diese Stimme, die die Peitsche herausholt und sagt, jetzt tu’ aber weiter, weil irgendetwas bedroht deine Existenz mit Sicherheit. Das ist, glaube ich, immer wieder der große Balanceakt: Diese Sanftheit auch sich selbst gegenüber walten zu lassen.

 

In der Vaterschaft – das ist das erste Mal, dass du Vater bist? Was war da die größte Überraschung für dich selber?

 

Roman: Die größte Überraschung… hm. Ja, die passiert eh täglich. V.a., weil ich wirklich versuche, mich so einzulassen. Ich habe auch zur Jasmine gesagt: Sie ist eigentlich meine Meisterin, die Viola. Bei ihr einmal zu lernen und nicht umgekehrt zu glauben, ich muss ihr mein Weltbild implantieren. Sondern zu schauen, wie geht sie mit Zeit um; wie geht sie mit anderen Menschen um? Da passiert so viel. Was aber auch sehr langsam passiert.

Sehr langsam merke ich, wieviel Leichtigkeit und Lebensfreude sie mir jetzt schon in mein Leben gebracht hat, und ich aber sehr lange versucht habe, verbissen meine Dinge umzusetzen. Diese Elemente kommen jetzt… das ist auch wieder so eine Art Umgraben und Umwühlen dieser inneren Strukturen. Das macht sie jetzt eigentlich sehr viel.

Dadurch, dass ich versucht habe, von Anfang an sehr viel Zeit mit ihr zu verbringen und durchgehend da zu sein, soweit es geht, und präsent zu sein und auch gegen diesen Druck, jetzt wieder mehr Geld oder viel Geld verdienen zu müssen, eigentlich die bewusste Entscheidung für die Zeit. Also Zeit mit ihr zu verbringen.

Da passiert natürlich extrem viel an der Beziehung und an Vertrautheit, was da wachsen darf. Und das ist ein sehr bewegter Prozess, der nicht abgeschlossen ist; wo ich jetzt die Chance habe, mit ihr mitzulernen und noch einmal die Welt zu entdecken sozusagen.

 

Noch einmal kurz zum Geld. Die gleiche Frage wie vorhin: Wie machst du es finanziell? Du sagst, wenn du im Flow bist, ergibt sich eher was.

 

Roman: Na, ich sage das gar nicht so, dass sich das alles so ergibt. Ich sage auch ganz bewusst: da sind immer auch Ängste und Abgründe da. V.a. während des Films jetzt und zum Schluss, da sind Phasen da, die würde ich niemandem wünschen. Das haben wir gemeinsam sehr oft besprochen. Die Themen, die im Film vorkommen… ich war dann schon soweit, will ich das überhaupt vermitteln. Weil dieses Jetzt, das wir im Film auch artikulieren, teilweise so unberechenbar ist und so brachial ist, dass man dann nur noch mehr da steht und bis zur Handlungsunfähigkeit, weil es gibt dann so wenige Haltegriffe. Und gleichzeitig ist das aber getragen von einem Vertrauen dahinter. Zu sagen, es ist irgendetwas, das einen auffängt und auf Kurs hält. Das ist eine Kraft am Werken, die einen nicht ganz ausspuckt und aufknallen lässt. Das passiert eher, wenn man gegen die Kraft arbeitet. Insofern glaube ich, diese ganze Geschichte ist nur getragen von diesem Vertrauen, aber sie konfrontiert einen auch mit Abgründen der eigenen Persönlichkeit in Situationen, denen man noch nicht gewachsen ist. Und da wird es finanziell einmal knapp oder da rutscht man einmal ins Minus und dann ist das auszuhalten und einmal die Ruhe zu bewahren und nicht vielleicht panisch irgendwelche anderen Situationen einzuleiten, sondern einmal genau diese Situation bewusst anzuschauen und dann in eine Handlung zu gehen.

Aber finanziell- es geht sich aus, aber es ist meistens nicht viel mehr da, als was wir unmittelbar brauchen.

 

Hast du ein Beispiel für diese Dynamik, wo du keinen Haltegriff mehr hattest?

 

Roman: Ja. Es war dann in der Endphase des Films so, dass wir gedacht haben – oder ich auch –, jetzt gehört das dann richtig gemacht. Jetzt müssen wir an eine Produktionsfirma herantreten und die macht den ganzen Vertrieb für uns und übernimmt das, damit wir ein Geld dafür kriegen. Bis dahin war das sehr viel mit Eigenmitteln finanziert. Und dann  war es so, dass dadurch plötzlich das ganze Projekt stagniert ist und drei Monate überhaupt nichts mehr weitergegangen ist, und ich habe gemerkt, wie ich mehr und mehr die Sicherheit verloren habe, die zuvor getragen war von diesem Vertrauen.

Dieser konventionelle Weg, der scheinbar der einzige ist, aber für mich überhaupt nicht stimmt. Und dann war ich plötzlich in diesem Zwiespalt: Einerseits habe ich nicht weitermachen können, finanziell war nicht viel möglich. Gleichzeitig ist mit der Produktionsfirma nicht viel weitergegangen, und dann steckt man in so einem Projekt fest. Es ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt aber auch keine Möglichkeit, das weiterzumachen.

Und in solchen Stagnationsphasen… das ist nicht sehr angenehm… man kann nicht wirklich mehr machen, als warten und neue Kraft tanken und wieder in dieses… den Weg einschlagen, den man ursprünglich als richtig empfunden hat.

 

Jasmine: Darf ich etwas dazusagen? Bei dieser Produktionsfirma war es auch so, dass du ausgestiegen bist. Das war deine Entscheidung. Ich hätte mich das nämlich auch nicht getraut. Er ist aber schon so unrund geworden; er hat gesagt, er kann nicht mehr. Es war die Entscheidung da: Er macht doch alleine weiter. Oder wir machen doch zu zweit weiter. Das war ein denkwürdiges Gespräch im Stadtpark, wo wir gesagt haben: Okay, wenn der Film nur ein einziges Mal als Premiere im Annenhof läuft, dann läuft er halt nur einmal und dann stimmt’s. Und ab dem Moment kam’s dann wieder ins Laufen. Der Film ist abgezogen worden wieder von der Produktionsfirma, den haben wir noch umgeschnitten. Und es ist immer dieses Denkwürdige… das werde ich auch niemals vergessen. Dass uns erstens einmal wirklich das Geld ausgegangen ist. Wir haben dann ein Email bekommen mit dem Absender von gott.at Ehrlich! Und da war dann ein unglaublich herzliches Mail, das uns bekräftigt hat in dem, was wir tun, und eine finanzielle Unterstützung. Und wir konnten weiter machen.

Und das war dann wirklich so ein… einmal richtig Durchatmen und „glaubst du das jetzt? – ja!“. Und so ging’s dann weiter. So ist der Film auch zu Ende gegangen.

Aber es hat die Entscheidung gebraucht, na, wir gehen diesen konventionellen Weg nicht. Und dann kam wieder der Flow. Davor war nichts.

 

Roman: Und im Endeffekt die Entscheidung, den eigenen Weg zu gehen. Wenn der eigene Weg konventionell wäre, wäre es eh in Ordnung. In diesem Fall war er es eben nicht, und dann wieder dieses Zurückfinden zum eigenen Weg. Das ist das… immer wieder der Punkt.

 

Und wie ist das eigentlich mit euch zwei? Ihr habt euch in Peru kennengelernt, und dann habt ihr relativ schnell entschieden, dass ihr euch für den Film zusammentut oder hast du erst mal angefangen… ab wann wusstet ihr, ihr macht den Film zu zweit?

 

Jasmine: Das erste Interview haben wir schon gemeinsam gemacht! (Lacht)

 

Aber war das schon in dem Bewusstsein, ihr macht diesen Film zu zweit?

 

Roman: Nein, das noch nicht. Wir haben uns in diesem Experimentierraum kennengelernt, da haben sich sowieso die ganzen Zeitqualitäten verschoben.

 

Jasmine: Da haben wir eigentlich nur überlegt, was passt jetzt.

 

Roman: Ja.

 

Jasmine: Nicht, was wird daraus. Jetzt war es gut, dieses Interview zu machen, und dann… für mich war die Frage überhaupt nicht, ob da wirklich ein Film daraus wird.

 

Roman: Ja, aber dadurch, dass wir in Peru zusammen gekommen sind, war danach das war schon auch getragen von diesem spirit aus Peru. Da war der Wunsch da, auch gemeinsam in dieser Energie zu bleiben, und dieses Projekt war von uns beiden dezidiert- Für mich war klar, ich kann dieses Projekt allein nicht machen, da bin ich überfordert damit. Und Jasmine war begeistert vom Projekt. Da hat es nicht viele Fragen dazu gegeben. Wir sind einfach losmarschiert mit den weiteren Interviews und weiteren… aber es ist alles sehr schnell passiert. Ohne, sich viele Gedanken darüber zu machen. Ich habe dann gleich geschrieben: Unendlich jetzt, ein Film von Roman Pachernegg und Jasmine Wagner, und die Homepage eingerichtet damit. Und damit war es dann auch besiegelt.

 

Jasmine lacht: Das war ca. ein Monat nach Peru.

 

Roman: Also wir waren anscheinend beide sehr überzeugt davon, dass wir das so zu machen haben. Ja. Und uns da gegenseitig stützen.

 

Im klassischen Sinne würde man fragen: Gibt es eine Aufgabenstellung-Trennung zwischen euch?

 

Baby schreit.

Jasmine: Ja, die Trennung… die Technik ist bei ihm. Was früher nicht so war. In der Schule habe ich wahnsinnig gern Kamera gemacht, wahnsinnig gern geschnitten. D.h. ich habe zumindest eine gewisse Ausbildung. Ich sehe zumindest, wie ein Schnitt funktioniert oder nicht. Das ist auch mein Part dann. Ich mache die Interviews; ich bin derjenige, der den Raum schafft im Interview, um zu schauen, was will da passieren. Und vertraue dann komplett dem Roman, wie er die Kamera macht, wie er die Bilder wählt… das ist alles sein kreativer Part. Während ich ja normalerweise Malerin bin und da die Bilder ganz aus mir heraus entstehen, ist es beim Film so, dass ich bei den Bildern ihm komplett vertraue. Ich würde ihm da nie dazwischen reden. Und das läuft auch beim Interview so: Er würde mir da nie dazwischen reden. Also obwohl er an sich der Regisseur ist, gibt es da eine ganz eine tiefe Vertrauensebene. So gesehen war das Arbeiten natürlich total schön.

Also wo ich mich beim Film schon einbringe, ist am Schluss beim Schnitt. Er macht meistens einen Rohschnitt, zeigt ihn mir dann mal, und wenn ich das Gefühl habe, da stimmt für mich etwas noch nicht, dann diskutieren wir das einmal. Dann versucht er noch etwas anderes. Im Grunde ist bei der Dramaturgie, dass ich noch kreativ dabei bin. Aber Technik und im Prinzip das Gesamtkonzept ist eigentlich seins.

 

Ihr seid ja beide für sich sehr bei euch. Ihr habt es geschafft, euer Selbst kennen zu lernen. Also jeder hat ein Gefühl für sich selber. Wie ist es im Paar, im Projekt? Wie sieht dieses Jetzt-Gefühl aus in der Gruppendynamik des Paares? Gibt es da irgendetwas, was man so rein theoretisch nicht erfassen kann, und was ihr…?

 

Roman: Na, in der Arbeit ist es eigentlich sehr von Respekt getragen. Wirklich die Bereiche des Anderen voll und ganz zu akzeptieren. Und dann, wenn Fragen auftauchen, sich abzustimmen. Oder wenn Widerstände auftauchen oder Unstimmigkeiten auftauchen, die relativ schnell anzusprechen; möglicherweise ein kurzes break dann zu machen und zu sagen: So, jetzt mal neu einjustieren. Aber wir sind von der Arbeit her, was man fast harmonisch bezeichnen könnte. Und… das zieht sich dann natürlich ins Privatleben. Die Konflikte entstehen dann, wenn die Dinge nicht angesprochen werden und wenn zu lange auf irgendeiner.. irgendeine Sache heruntergeschluckt wird.

Eigentlich ist dieses Im-Augenblick-Sein eine Lebenseinstellung, die im Alltag alle möglichen Herausforderungen in sich birgt. Weil man sich selbst ja auch dem anderen zumuten muss in dem Moment. Es ist dann nicht die Frage des richtigen Augenblicks morgen, sondern dann muss man jetzt irgendwie was artikulieren. Mit der Gefahr, dass ein kurzer Konflikt hochwallt. Das dann aushalten. Dann bleibt das Ganze aber in Bewegung und gesund.

 

Jasmine: Also da gibt es eigentlich keine Trennung. Für mich ist es schwierig, Beruf und Beziehung zu trennen. Weil wir beide im Beruf sehr viel wir selber sind. Es ist nicht abgespalten, sondern wir leben ja ganz intensiv unser… wenn ich jetzt nicht grad eine Datenbank eintipp’ für Archäologie, dann leben wir schon unsere Berufung. Und damit uns selber. Und damit gehen wir im Beruflichen in Beziehung. Da ist kein Unterschied zwischen- da ist eine Beziehung und da machen wir unseren Job. Diese Trennung gibt’s für mich nicht. Und darum ist es ganz egal, das hast du jetzt eh angesprochen. Wenn irgendwo ein Widerstand da ist, dann ist es nur wichtig, den gleich einmal auf das Papier zu bringen. Gleich einmal zu sagen, so, ich spüre etwas, da stimmt was nicht, was ist los. Und das war’s.

 

Roman: Aber ich find’, diese Dinge sind nicht unbedingt… das ist nichts, wo man von heute auf morgen. Das ist ja immer so ein bei sich selbst erproben und mit dem anderen erproben und zu lernen, und das zu dürfen. Weil mir sind diese Dinge nicht in die Wiege gelegt geworden. Ich habe das Gefühl, ich bin jetzt seit ein paar Jahren auf diesem Weg. Aber nicht einmal ansatzweise irgendwo angekommen. Ich glaube auch nicht, dass es darum geht. Aber dieses Erproben in der Beziehung, zu experimentieren und diese Dinge zuzulassen, sich selbst leben zu dürfen und Gemeinsamkeit leben zu dürfen und und… dass das alles auch nebeneinander existieren kann und ineinanderfließen darf.

Sich einmal von Konzepten frei zu machen und von Mustern, die immer von hinten eigentlich sich gerne überall drüberstülpen über das ganze Leben. Das ist für mich die große Übung und Aufgabe, das vielleicht frühzeitig zu erkennen und neu einzujustieren. Und das in Beziehung ist gar nicht immer leicht. Und erst in der Beziehung ist dann wirkliche Verwandlung oder Transformation möglich.

 

Jasmine: Man kriegt sich selber schon verdammt gut gespiegelt. Wenn man es nicht glaubt, dass es nicht das eigene Thema ist, dass einen grad so wahnsinnig macht.

 

Roman: Wir haben auch beide gesagt: es ist nicht diese rosarote Wolke, überhaupt nicht. Um das kann es auch nicht gehen. Es gibt irgendwie total schöne Momente in der Arbeit, und dann gibt es Momente, wo es sich sperrt. Und dann gibt es auch keine Trennung mehr, ob dass jetzt privat ist oder beruflich. Es fließt nicht immer, und es sperrt sich aber auch nicht immer, und wenn man beides zulässt, dann ist vielleicht sogar eine Meta-Ebene möglich, in dem das alles sein und Platz haben darf. Da geht es nicht immer darum, dass man gut drauf ist… dann ist das einfach Teil der Situation jetzt und fertig. Eine Art von leidenschaftlicher Gelassenheit oder leidenschaftlichem Annehmen auch zu praktizieren.

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