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The Bakerman

Florian aus Köln zog aus, um in Spanien Brot zu backen.

By Elisabeth Scharang

In einer Ferienanlage am Meer in Gran Canaria an einem Donnerstagvormittag. Die Bildzeitung liegt auf einem der beiden Tischchen vor der kleinen Bäckerei, in der Florian jeden Tag Bauernbrot und Croissants verkauft. Zwei rüstige Rentner schlürfen ihren Kaffee.

 

FLORIAN: Ich bin gelernter Koch und Konditor, hab’ den Beruf in Deutschland erlernt. Zuerst Hotel, dann in Frankreich die Konditorausbildung gemacht und vor drei Jahren hab’ ich gesagt: Abflug, keinen Bock mehr auf schlechtes Wetter und bin nach Spanien. Wir hatten hier auf Gran Canaria schon seit dreizehn Jahren eine Ferienwohnung, ich kannte diese Anlage also und durch Zufall hat sich ergeben, dass ein Laden frei wurde. Was hier fehlte, war vernünftiges Brot. Also hab ich meine Koffer gepackt und bin hierher gezogen in den Süden von Gran Canaria.

Ist das der Beruf, den du dir gewünscht hast?

FLORIAN: Nein. Mein eigentlicher Berufswunsch war Pilot, aber meine Schilddrüse hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also musste ich mir etwas anderes suchen. Ich hab’ immer gerne mit meiner Oma gekocht, schon als Kleinkind Knödel selber gemacht. Mit sieben hab’ ich zu backen begonnen, da war meine Mutter noch auf der Arbeit und ich habe zu Hause die Kuchen gebacken. Gut, dachte ich, dann gehst du eben in einen Lebensmittelberuf. Als Koch hast du ja auch eine kreative Arbeit.

Kannst du dir vorstellen, nochmal etwas ganz anderes zu machen in deinem Leben?

FLORIAN: Auf Garantie! Ich bin da ganz flexibel. Ich arbeite mit einem Freund zusammen, der hier Bootstouren anbietet. Da hab’ ich viel Spaß daran, ich bin eine absolute Wasserratte.

Wie sieht dein Tagesablauf so aus?

FLORIAN:Je nach Saison stehe ich nachts um zwei auf, dann bin ich bis zwölf mittags im Laden, danach Kundenauslieferungen für Restaurants und Hotels. Um 16 oder 17 Uhr ist Feierabend. Wenn ich Zeit und Lust hab’, machen wir oben am Pool noch Grillveranstaltungen oder mal einen Abend mit deutschem Essen für die Gäste.

Viel von der Kanarischen Sonne hast du dabei aber nicht?!

FLORIAN: Im Winter nicht. Bei mir ist die Hauptsaison im Winter. Sechs Monate. Die ruhigere Zeit ist von Ostern bis Oktober. Da reicht es, um fünf aufzustehen und um 12 mittags ist Feierabend.

Hast du Stress?

FLORIAN: Als Stress kann man es nicht bezeichnen. Aber es ist schon anstrengend, gerade jetzt, diese 17, 18 Stunden Tage und das bei sieben Tagen die Woche. Das merkt man dann schon. Aber gestresst – hier – eigentlich nicht. Ich mache den Laden jeden Tag mit guter Laune auf. Die Sonne scheint. Der Tag beginnt anders als in Deutschland; es ist nicht grau und regnerisch.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, als du deine Koffer gepackt und nach Spanien gegangen bist?

FLORIAN: Meine Freunde haben mir alle viel Glück gewünscht, auch wenn sie traurig waren, weil wir uns alle schon sehr lange kannten. Aber sie besuchen mich regelmäßig und im Sommer fahre ich dann auch mal nach Deutschland.

Was macht dich glücklich?

FLORIAN: Dass ich hier in der Sonne leben und von dem Beruf, den ich hab’, gut überleben kann. Ich hab mir diesen Laden aufgebaut, ich möchte nicht reich werden damit, sondern einfach vernünftig leben können. Das reicht mir vollkommen, zum Glücklichsein.

Ist es dir wichtig, dass du dein eigener Chef bist?

FLORIAN: Ich habe in Deutschland auch als Angestellter gearbeitet, das war auch in Ordnung. Aber es ist schon gut, sich seine Zeit selbst einteilen zu können. Aber selbstständig heißt ja selbst und das ständig.

 

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