• Georg Pock © Maria MotterGeorg Pock © Maria Motter
  • Brauerei von Georg Pock © Maria MotterPock Bier - Die Brauerei von Georg Pock © Maria Motter
  • Georg Pock © Maria MotterGeorg Pock © Maria Motter
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  • © Maria MotterBlick in den Kessel © Maria Motter
  • Hopfen © Maria MotterHopfen, genau gewogen © Maria Motter
  • Georg Pock und Mitarbeiterin Manuela © Maria MotterGeorg Pock und Mitarbeiterin Manuela © Maria Motter
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“Ein Spiel, bei dem ich nicht mitspiele”

Ab Hof kaufen Menschen bei Georg Pock dessen Bier, ohne noch auf die Etikettierung warten zu wollen. Doch mit seiner Privatbrauerei größer zu werden, das schließt der 39Jährige aus. Warum? 

Von Maria Motter

Ein Hof- und Brauereibesuch in Pichla in der Südsteiermark bei Georg Pock, der mit manchen Klischees aufräumt. So erzählt Georg Pock gleich zu Beginn, dass der Craft Beer-Anteil bei den Amerikanern bei sechs Prozent liegt und in Europa nur 0,5 Prozent ausmacht. Craft Beer, so nennt man alle kleineren Brauereien, die mehr oder weniger nach dem Prinzip Handarbeit funktionieren – also das Gegenteil von industrieller Produktion sind. Während des Gesprächs ist Georg Pock beschäftigt: Hopfen wird genau getaktet in den Kessel gefügt.

Ist das dein Beruf oder welchen Beruf hast du gelernt?

Ich bin Chemielabortechniker und Landwirt. Nach meinem Landwirtschaftlichen Facharbeiter habe ich noch eine Lehre auf der Uni gemacht als Chemielabortechniker und habe dann zehn Jahre in einem Lebensmittellabor gearbeitet, im Institut Dr. Wagner in Lebring. Das waren für mich super Lehrjahre, denn er hatte eine Versuchsbrauerei dabei. Einmal im Monat haben wir experimentell Bier gebraut. Dort konnte ich Wissen sammeln, und irgendwann einmal, nach zehn Jahren, habe ich gesagt, dieses Wissen möchte ich umsetzen und mich damit auf eigene Füße stellen und davon leben können.

Wie war der Schritt von der Anstellung in eine eigene private Bierbrauerei? Und wann war das?

Das Ganze ist passiert, nachdem meine Frau und ich es geschafft haben, innerhalb von vier Jahren drei Kinder zu bekommen. Die Entscheidung war: In welche Richtung geht es? Meine Frau hat Architektur studiert, ich habe auch einen sicheren Job gehabt in einem Bereich, der floriert. Es ging um Rückstandsanalytik sprich Spritzmittelrückstände im Essen. Wir haben alle Proben für die großen Zulieferer untersucht. Meine Frau und ich haben dann gesagt, wir haben da die Möglichkeit: Das hier ist der Bauernhof von meinem Onkel, er ist alleinstehend und kinderlos, und der Hof wäre dem Verfall preis gegeben.

Ich bin als Kind hier aufgewachsen. Als Landwirtschaft mit sieben Hektar wäre es nicht überlebensfähig, aber wenn ich es schaffe, eine kleine Brauerei zu etablieren, kann ich den Hof retten und gleichzeitig davon leben. Und so, wie es zum jetzigen Zeitpunkt ausschaut, ist die Umsetzung gelungen.

Es waren natürlich auch Tage dabei, wo man sich dachte: Warum tut man sich das an? Weil es läuft im Leben manchmal so und manchmal so. Aber im Nachhinein betrachtet bin ich sehr froh, dass alles so gekommen ist, wie es jetzt ist.

Und deine Frau ist in Karenz gegangen oder wie hat sie mit ihrem Beruf getan?

Meine Frau unterrichtet an der Uni in Graz, sie hat einige Lehraufträge. Es ist für sie auch wichtig, dass sie ein bissl außikommt und Abstand hat. Ansonsten haben wir einfach drei Kinder und das ist an und für sich ein Job. D.h., wir teilen uns das auf und wir müssen es einfach handeln.

Georg Pock lächelt und schmunzelt.

Und die Kinder sind mittlerweile wie alt?

Die Kinder sind sieben, neun und elf.

Cool.

Ja, cool. Eine Rasselbande, die Gas geben kann, es macht aber Spaß.

Und wenn du jetzt zurückdenkst, was arbeiten zuvor war und jetzt, was hat sich für dich verändert?

Für mich hat sich verändert, dass ich selbst bestimme, wann ich was mache. Und mir macht es jetzt weniger aus, sechzehn Stunden für mein Projekt zu arbeiten als acht Stunden für irgendjemand anderen. Ich habe einfach Freude bei der Arbeit und man arbeitet dann für sich selbst. Und wenn es ein Erfolg ist oder die Leute das Produkt mögen, das man erzeugt, dann ist es einfach schön. Ich bin sehr zufrieden so, wie es jetzt ist.

Vom Zeitaufwand her, ist es mehr geworden? Arbeitest du mehr Wochenstunden?

Ja natürlich ist es mehr geworden. Aber man rechnet ja auch, wenn man irgendwo anders arbeitet, nicht die Zeit, wo man die Kinder versorgen muss, wo man eine Jause richtet, wo man schaut, dass man beim Aufgabenmachen ein halber Lehrer sein muss in der heutigen Zeit, und es ist egal. Ich zähle nicht in Stunden. Aber es machen mir die Stunden der Arbeit weniger aus, als es mir ausgemacht hat, wie ich noch angestellt war.

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Was zählt für dich in Bezug auf Arbeit? Was ist wichtig?

Dass man eine Freude hat mit dem, was man tut. Und wenn dem der Fall ist, kann man nichts Besseres tun.

Und vom Wirtschaftlichen her: wie war diese erste Umstiegszeit?

Die erste Umstiegszeit haben wir sehr gut gemeistert, weil wir das Projekt eingereicht haben als LEADER-Projekt (Anm. Förderprogramm der EU). Die Umsetzung war sehr schwierig und es war viel Arbeit und wir haben zwischendurch nicht gewusst, ob wir überhaupt einen Euro dafür kriegen. Aber schlussendlich haben wir es irgendwie geschafft, dass wir 33% fast kriegen. D.h., wir haben, als wir gestartet sind und alles umgesetzt haben, einen Polster von 30.000 Euro gehabt. Und diese 30.000 Euro waren einfach der Polster für das erste Jahr. Wir haben gewusst, okay, da können wir jetzt langsam anfangen: Wie schmeckt das Bier den Menschen?

Es ist jedoch relativ schnell gut gestartet. Mittlerweile kann ich sagen, ich kann davon leben; wir können unsere Raten zurückbezahlen. Man wird natürlich nicht reich, aber das wird eh keiner. Nie!

Also wirklich? Ist das so?

Für mich ist das definitiv so. Man kann nicht reich werden. Weil die Leute, die sich mit Geld definieren, haben irgendwann einmal 10.000 Euro im Monat und dann wollen sie zwanzig. Und wenn einer eine Million im Monat hat, will er zwei und wenn er zehn hat, will er hundert. Es ist kein Ende in Sicht.

Und man gibt es wahrscheinlich dem Verdienst entsprechend aus.

Sagen wir mal so: Man gewöhnt sich sehr schnell an die Standards, die man dann einmal hat. Man freut sich nicht mehr darüber. Das ist dann wahrscheinlich das große Problem.

Du hast zuvor in einem Unternehmen, in einer Firma gearbeitet, und dann auf dich allein gestellt warst, ohne Kollegschaft. Gab es daher Unterschiede in der Arbeitsweise?

Nein, es ist immer super gelaufen. Mein Chef von damals, Dr. Wagner, unterstützt mich noch heute. Er ist als Lebensmittelchemiker für mich ein Quell des Wissens. Wenn ich bestimmte Detailgeschichten brauche, kann ich nach wie vor zu ihm gehen und er sagt mir, was das Beste ist, das ich tun kann. Er hat ein ziemlich allumfassendes Wissen.

Wie wichtig war dir dieser Standort? Dass du dich in der südlichsten Südsteiermark ansiedelst mit der Brauerei? War es eine Entscheidung für den Ort? Hast du etwas gesucht, dass du da machen kannst oder wie hat sich das ergeben?

Es ist mir passiert. Grundsätzlich möchte ich dazu sagen, dass das untere Murtal eine Gegend mit einer sehr, sehr hohen Lebensqualität ist. Die Leute sind nicht abgehoben, ich kaufe fast alles nur noch über Bauern ein. Zwischenzeitlich fahre ich natürlich auch zum Supermarkt, aber was geht, kaufe ich bei den Bauern in der Umgebung. Man kann sich da echt ein schönes Leben machen.

Ein Grund, warum die Platzwahl das Beste ist, was ich machen konnte, ist im Nachhinein betrachtet: Wir haben hier in Pichla bei Mureck einen riesengroßen Wald. Ich nenne ihn liebevoll den geheimen Nationalpark, weil er total viele Tierarten beherbergt, die es kaum noch gibt in Österreich. Zugleich hat er eine sechs bis acht Meter dicke Lehmschicht und darunter ist Urgestein. Es ist mit der Riegersburg die letzte vulkanische Tätigkeit. Dadurch hat das Wasser, mit der ich das Bier brauen kann, nur 4 °dH und eine elektrische Leitfähigkeit von nur 225 µS und das Nitrat ist bei sieben, acht. Wir haben wirklich nur Nitrat, das von der Verrottung der Blätter im Wald kommt.

Du braust mit Wasser von da?

Ja. Es gibt die Faustregel: Von hundert Brauereien müssen 99 das Wasser aufbereiten, um Bier brauen zu können. Was das betrifft, bin ich der 100:1 Glückpilz.

Was ist am nervigsten für dich bei der Arbeit? Was bedeutet Stress für dich?

Bis jetzt ist jeder Stress handlebar und ich spüre ihn als positiven Stress. Ich bin ja quasi von der Putzfrau bis zum General Manager alles in einer Person. Da gibt es einfach Dinge, die liegen bleiben. Wenn man Dinge vergisst, ist es manchmal peinlich, und dann hat man schnell einmal einen Stress, damit man das Problem wieder beseitigt. Im Großen und Ganzen stresst mich mit meiner Arbeit nicht viel.

Und du braust einmal in der Woche und wirst auf zwei Mal die Woche umstellen?

Genau, ich habe mich dahin eingerichtet. Ich habe zwei Mitarbeiterinnen, die geringfügig angestellt sind. Sonst könnte ich es mir nicht leisten, ganz ehrlich. Sie haben einen Spaß, dass sie etwas lernen, und für mich ist es eine super Hilfe. Ich kann die Spitzen im Sommer besser handlen. Die restliche Zeit des Jahres, wo weniger Bier verkauft wird, kann ich es wieder alleine machen.

Und sie wissen auch, dass dem so ist?

Die eine hat gerade Matura gemacht und wird im Herbst studieren, und die andere war im letzten Jahr schon hier, ihr hat es so gefallen, dass sie wieder da ist.

 Es ist interessant, dass es zwei Frauen sind, die Bier brauen?

Es hat sich so ergeben. Im Herbst wird noch einer aus der Ortschaft kommen, er hat gerade Matura gemacht und muss im Jänner zum Bundesheer. Die drei Monate davor wird er bei mir geringfügig arbeiten.

Generell muss ich sagen, ich arbeite lieber mit Frauen zusammen.

Warum?

Weiß ich nicht. Es ist immer schwer zu sagen. Ich kann es jetzt noch nicht beurteilen, weil ich noch keinen Mann angestellt hatte. Das werde ich dann sehen, wenn derjenige kommt. Aber so, wie es schon im Sommer letztes Jahr mit Marlene war und jetzt hat sich Julia ergeben, die gerade Matura gemacht hat. Wir sind ein lustiges Team.

Irgendwie produziert die Evolution nur noch Alphatierchen, kommt mir vor. Männer sind anfälliger auf so etwas, das ist so ein Kampf. Mit Frauen kann man lässig zusammenarbeiten, da ist dieses Testosteron-Ding nicht so gegeben.

Das kann sein, was die Teamfähigkeit angeht. Aber muss man beim Bierbrauen so ein Team sein? Ist das nicht eher eine Tätigkeit, die man sehr gut alleine schafft?

Ich kann es alleine machen. Aber generell ist einmal meine Frau die wichtigste Person, sie checkt die gesamte Buchhaltung und unterstützt mich bei Arbeiten wie Abfüllen, das ginge alleine nicht. Ohne meine Frau würde ich das überhaupt nicht schaffen.

Du hast mir gesagt, du willst nicht größer werden. Hat sich diese Frage in der letzten Zeit gestellt? Weil dein Pock Bier immer mehr nachgefragt wird.

Ja, es läuft gut. Der nächste Glücksfaktor ist mein Name. Man hört das einmal, muss erklären, es ist kein starkes Bier, sondern der Typ heißt so, der kommt aus der Südsteiermark und macht dort das Bier. Ich bleibe bei jedem sofort hängen.

Weil es gibt ja auch das Bock-Bier.

Genau. Die Leute glauben, sie bekommen ein starkes Bier. Dann muss man ihnen erklären, dass dem nicht so ist. Und dann hat man ein Hakerl im Hirn gesetzt, das nicht so leicht verschwindet.

Und wie wäre es mit der Überlegung, größer zu werden?

Interessiert mich nicht. Das würde bedeuten, ich müsste jemanden fix anstellen. Wenn ich jemanden fix anstelle, ist es so, dass das Ganze, dass ich in der Verdoppelung verdiene, direkt in diese Person geht. D.h., ich würde gleich viel verdienen und hätte aber mehr Stress. Und das bringt mir auch nix. D.h., ich müsste, verdrei- und vervierfachen. Müsste zur Bank rennen, größer werden, größer und größer werden. Und in diesem Spiel habe ich beschlossen, nicht mitzuspielen.

Du warst versucht? Weil du es dir durch überlegt hast?

Nein, gar nicht. Es war klar, dass ich die Verdoppelung – von 450 Liter auf 900 Liter pro Woche – machen möchte, um Spitzen im Sommer auszugleichen.

Wie ich mit dem Bierbrauen begonnen habe, war mein Ziel, Spitzengastronomie und Kunst und Kultur beliefern. Also Orte, wo ich selbst gern bin. Mittlerweile habe ich das geschafft.

Früher wollte ich es nur in der Steiermark verkaufen. Bis Barbara Eselböck angerufen und gesagt hat, sie will dieses Bier haben. Beim Taubenkobel relativiert man seine Meinung. Ich beliefere in der Steiermark sehr viele Haubenlokale, in Graz die Postgarage und das Kunsthaus, die Süße Luise am Lendplatz. Es macht einfach Spaß, das Bier hinzubringen und mit den Leuten zu reden, die man kennt. Für mich ist das alles bis zu einem gewissen Grad Familienverkauf.

Du machst eine Sorte?

Nein, ich habe drei Sorten. Ich habe versucht, nicht den Weg zu gehen, den manch anderer mit sehr vielen verschiedenen Sorten geht. Ich wollte, mit drei Sorten möglichst viele Geschmäcker abdecken: Es gibt das Pils, das ist fruchtig-herb. Nicht zu herb, in Richtung Frucht. Dann gibt es ein Malz-betontes Bier, das Standard. Mit Karamell-Malz, Münchner Malz, Wiener Malz, Pilsner Malz gemacht. Das ist klass zum Trinken und spannend. Und dann gibt es noch ein Spezielles: Das ist das Black Bock, da kommt sogar Cetraria islandica dazu, isländisches Moos. Das ist ein sehr bitterer Tee; wenn man verschleimt ist, bekommt man den, und das unterstützt den Hopfen. Es ist eigentlich ziemlich simpel.

Ich verrate meine Tricks auch alle! Wer Wissen nicht teilt, ist selber schuld.

Wäre auch sehr dreist, wenn jemand das nachmachen würde. Doch derart nachbrauen kann man es ja gar nicht, oder?

Außer, er kommt nach Pichla bei Mureck, weil da wären wir wieder beim Wasser!

Gibt es Momente, wo du dir denkst, die Brauerei könnte einmal zu langweilig werden und eventuell machst du noch einmal ganz etwas anderes in deinem Leben?

Da kann ich nicht verneinen. Man weiß nicht, was passiert. Ich bin allem offen. Ich weiß, ich kann jeden Tag lernen und meine Meinungen relativieren. Das Leben ist zu spannend, um zu sagen, ich mache jetzt immer nur diesen Job.

 

 

 

 

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