• Ida & Ana © Andrea StojanovićIda & Ana © Andrea Stojanović
  • © Andrea Stojanović© Andrea Stojanović
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Mit vier Händen durch das Leben

Ana und Ida sind Zwillingsschwestern, und sie teilen ihren Beruf und die Liebe zu Klavierkonzerten.

Von Andrea Stojanović

Womit verdient ihr euer Geld?

Ana: Ich werde in der Mehrzahl sprechen, da es sich um dasselbe handelt. Wir sind  Klavierprofessorinnen und arbeiten in der Musikschule „Vasa Pavić“ in Podgorica, Montenegro, wo wir Kindern das Klavierspielen beibringen. Nebenher üben wir mit dem Klavierduo „Ana und Ida Muratagić“ eine Konzerttätigkeit aus und geben oft Konzerte. Das ist unsere Tätigkeit.

Welche Bedeutung hat Arbeit für euch?

Ida: Es geht nicht nur darum, ob wir monatlich einen Lohn bekommen und somit überleben, sondern ebenso darum, das Spielen den Kindern beizubringen und sie dadurch musikalisch zu erziehen.

Ana: Das ist sehr schwierig.

Ida: Das ist sehr schwierig. Es besteht nicht nur die musikalische Erziehung, da es ein Einzelunterricht ist, bei dem du dann alleine mit dem Kind bist. Egal was ihm zustößt, außerhalb der Schule, zu Hause, eine private Angelegenheit, wird sich das Kind beklagen und du berätst es. Du bist schlicht und einfach eine Psychologin und Pädagogin, jedoch nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern im Allgemeinen. Du beratschlagst das Kind und bist für das Kind da, egal was gerade bei ihm passiert.

Ana: Aber warte. Der Unterschied ist folgender: Unser Beruf ist nicht so wie jeder anderen, bei denen man in das Büro kommt und von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags arbeitet und tagein tagaus dasselbe macht. Jedes Kind ist für sich ein Individuum und bei jedem ist das Erinnerungsvermögen ein anderes, jedes nimmt es anders auf. Du musst jedem Kind auf eine andere Art und Weise begegnen. Es sind nicht alle auf dieselbe Weise talentiert und haben nicht dieselben Fähigkeiten. Du machst mit ihnen nicht dasselbe Programm durch, sondern es unterscheidet sich. Diese Arbeit ist somit auch interessanter, da du mit jedem anders arbeitest und nicht täglich nach demselben Lehrprogramm vorgehst. Du weißt im Grunde nicht, worauf du stoßen wirst, wenn du zur Arbeit kommst.

Ida: Bei mir sind Kinder sogar in Ohnmacht gefallen und dann musst’ ich Erste Hilfe leisten. Somit musst du mit Kindern umgehen können. Was die Konzerttätigkeit anbelangt: das ist, was wir wirklich zu arbeiten lieben. Das genießen wir. Vielleicht ist es auch deshalb, weil wir Zwillinge sind und es somit für uns leichter ist im Klavierduo zu spielen.

Ida: Aber das ist wirklich der Kern unseres Wesens.

Ida: Wir lieben die Szene. Manchmal geht es uns gar nicht um das Geld, das wir dabei verdienen, sondern nur darum, dass wir spielen.

Ana: Dass wir anwesend sind. Und um das Adrenalin, das einem widerfährt!. Das- (Anm.: Sie ergänzen gegenseitig ihre Sätze)

Ida: -passiert einem nur selten-

Ana: – im Leben, in anderen Situationen, sondern gerade in diesem Moment. Das ist es, wovon ich – und ich denke auch Ida – wirklich leben. Von diesem Gefühl.

Ada: Und von einem richtig guten „Gig“.

Könntet ihr euch vorstellen, eines Tages etwas ganz anderes zu tun?

Ida: Ich schon. Wir werden wahrscheinlich nicht unser ganzes Leben lang unsere Konzerttätigkeit ausüben, da wir bereits älter sind und das somit schwieriger ist. Jetzt ist es ok, da wir noch keine eigene Familie haben und dadurch auch üben können. Wenn es einmal soweit kommt, dass wir irgendwann einmal heiraten sollten und Kinder haben werden, dann wird das eine unmögliche Mission sein, alles unter einen Hut zu bringen – in der Schule zu arbeiten und zu spielen. Das wird mir eines Tages bestimmt fehlen. Aber ich könnte mir schon vorstellen, als Managerin zu arbeiten. Etwas zu organisieren. Aber das wäre wahrscheinlich auch etwas in Verbindung mit der Musik.

Und wäre es leicht, einen anderen Job zu finden?

Ana und Ida: Nein, nur sehr, sehr schwer.

Ida: Es ist sehr schwierig. Ich meine, wir hatten wirklich Glück, dass wir direkt nach der Akademie eine Stelle bekommen haben. Aber es ist sehr schwierig. Vor allem wenn du kein Diplom von irgendetwas besitzt und arbeiten möchtest, dann ist es besonders schwierig, etwas zu finden.

Ana: Ich bezweifle, dass ich irgendetwas anderes machen könnte.

Du meinst, dass du es überhaupt wollen würdest?

Ana: Wollen und können.

Ida: Wenn wir z.B nicht als das arbeiten würden als was wir nun arbeiten, also wenn wir die Akademie absolviert hätten und keinen Job hätten, dann würden wir uns wahrscheinlich zurechtfinden, um zu überleben.

Ana: Man könnte zumindest in einer Trafik Arbeit finden.

Ida: Oder ein Taxi lenken.

Ana: Gut, aber das sind keine Berufe, die du liebst und ausübst. Das wäre rein nur, um zu überleben.

Ida: Genau.

Das wäre also vom Gefühl her nicht dasselbe, was ihr jetzt macht und was ihr machen könntet?

Ana: Nein, was es die Arbeit anbelangt, erfüllt sie uns. Denn wir üben eine Arbeit aus, die wir lieben. Und vor allem die Konzerte, die wir geben – das ist es, was uns glücklich macht.

Ida: Und diese Kinder machen uns glücklich. Wir begleiten sie zu Wettbewerben und jeder ihrer Erfolge ist auch unser Erfolg. Das muss dich einfach glücklich machen.

Ana: Es ist aber schon schwieriger. Einfacher wäre es, wenn du selber etwas üben würdest, anstatt jemandem das Üben beizubringen.

Ida: Es geht aber nicht nur um das Üben, sondern um alles andere. Jeder Moment mit ihnen ist nicht nur ein einfaches Üben.

Ana: Und Kinder laugen einen auf ihre eigen Art und Weise aus. Sie rauben dir Energie. Es ist aber schon so, dass du dich dafür hergibst und dir wünschst, dein Wissen weiterzugeben. Der/die eine nutzt dies aus, der/die andere nicht.

Und was verursacht euch Stress?

Ida: Ja das, wenn jemand in Ohnmacht fällt. Oder es gibt auch ungezogene Kinder und da kannst du dann nicht wirklich etwas machen. Sie bringen dich auf die Palme und wegen einer Kleinigkeit können sie dich aus dem Konzept bringen. Das würde wahrscheinlich jemandem, der nicht unterrichtet, nicht so nahe gehen wie es bei uns der Fall ist.

Ana: Aber auch der Stress bei den Konzerten. Jedes Konzert für sich bedeutet Stress.

Ida: Obwohl es sehr schön ist, aber vor dem Konzert, was weiß ich-

Ana: – wird alles so werden, wie du geglaubt hast, dass es wird? Ob das, was du geübt hast, gut ist. Ob du die Epoche getroffen hast, ob das so, wie du geglaubt hast, dass es sein soll, auch so in Ordnung ist; welche Kritik man haben wird. Das ist im Grunde alles Stress.

Wie seid ihr zu eurem Beruf gekommen und zu dem, was ihr gerade macht?

Ana: Ich glaube, dass wir von diesem Augenblick an, als wir uns in die Musikschule einschreiben haben lassen, gewusst haben, dass wir Klavierprofessorinnen werden würden und wir beide diesen Wunsch hatten.

Ida: Die Professorin hat uns auch in diese Richtung erzogen.

Ana:  Aber wir wollten das auch tatsächlich. Es war nicht so, wie wenn du die Mittelschule abschließt und dann darüber nachdenkst, was du werden willst, sondern von unserem achten Lebensjahr an. Du weißt schon, wenn Kinder sich wünschen, Lehrerin oder Flugbegleiterin usw. zu werden. Das war wirklich unser primärer Wunsch. Wenn wir aber etwas wollen, dann ist es auch so, dass wir uns auch wünschen, es zu Ende zu bringen. Wahrscheinlich hat das alles seinen natürlichen Lauf genommen. Wir haben die Unterstufe, die Mittelschule und die Akademie absolviert und haben dann diese Anstellung bekommen. Ich weiß wirklich nicht wie, aber es ist passiert, auf ganz natürliche Art und Weise.

Ida: Aber manchmal braucht man auch Glück im Leben und nicht nur die Arbeit.

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