• SONY DSCAt Semco in Brazil © KGP 2014
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Ein Blick ins Schlaraffenland

Elisabeth Scharang über die Dreharbeiten für KICK OUT YOUR BOSS bei SEMCO in Brasilien.

Die Auseinandersetzung mit Ricardo Semlers Ideen einer demokratischen Firmenstruktur waren für mich wie ein Blick ins Schlaraffenland. Vor dreißig Jahren hat der Brasilianer Semler die Schiffsturbinenfabrik seines Vaters übernommen; unter der Voraussetzung, dass er freie Hand in alle Entscheidungen hat. Semlers Vater ist daraufhin auf Urlaub gefahren,

Von Elisabeth Scharang

.. und sein Anfang zwanzig jähriger Sohn hat die Firma von Grund auf verändert: keine Sekretärinnen mehr, keine Privilegien für Führungskräfte, die einen sozialen Abstand herstellen, keine fixen Arbeitszeiten, keine Anwesenheitspflicht, Offenlegung der Gehälter und der Firmenbilanzen.

Ricardo Semler hat sich die Monate davor in Japan, Amerika, Europa und China umgesehen. Er hat Firmen- und Gesellschaftsstrukturen studiert und sich aus allem geholt, was er für sein Experiment hilfreich fand.

Es war ein langer und sehr kommunikationsintensiver Prozess, der ständig in Bewegung bleibt und adaptiert wird. Manches hat sich bewährt, manches wurde wieder verworfen.

Aber ist es in der Praxis tatsächlich so wie es sich in Semlers Büchern liest? Die kritische Haltung, die ich mitgebracht habe, wurde seitens der SEMCO MitarbeiterInnen mit einem müden Lächeln quittiert. Viele Jahre lang sind Heerscharen an Managern aus der ganzen Welt durch die Großraumbüros von SEMCO in Sao Paulo gepilgert, weil sie den SEMCO-Weg aus der Nähe betrachten wollten. Und natürlich haben sie nach Fehlern gesucht; nach dem Beweis, der ihnen erlauben würde, beruhigt nach Hause zu fahren und zu verkünden, dass die Idee gut, aber die Praxis nicht machbar sei.

Diese Führungen wurden so gut wie eingestellt. Die SEMCO-MitarbeiterInnen wollten den Zooeffekt nicht mehr und sie wollten auch niemanden davon überzeugen, dass man bei SEMCO Partizipation lebt. „Sie haben freie Hand. Sie können in den nächsten Tagen mit allen hier reden und wenn Sie etwas brauchen, fragen Sie mich einfach.“ So beginnen meine Dreharbeiten bei SEMCO, mit großer Offenheit.

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