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Die Welt mit eigenen Augen sehen

Verena ist freischaffende Illustratorin und Grafikerin und lehrt Illustration an der Graphischen. Sie zählt im Bereich der Kinderliteratur zu den wichtigsten KünstlerInnen der jüngeren Generation. Und sie liebt ihre Arbeit.

Von Christine Schatz

Ich treffe Verena im Rüdigerhof. Sie klappt ihr Fahrrad zusammen, setzt sich und packt ihr Skizzenbuch aus. Auf meine Frage, was sie notieren wolle, meint sie: „Ich zeichne. Ich zeichne, um mich zu beruhigen.“ Und sie beginnt einen jungen Mann, der vor uns sitzt, zu skizzieren. Zuerst das Gesicht, seine Bartstoppeln, die Brillen, seinen Körper, das Muster der Kleidung, …  „Ich hatte heute viel Stress. Beim Zeichnen beruhigt mich, dass ich alles um mich vergessen kann.“ „Vergisst du wirklich? Oder lenkst deine Aufmerksamkeit sehr konkret auf etwa?“„Ja, ich fokussiere und fange ein, was mir die Welt grad erzählen will.“ Der Mann mit der schönen Strickjacke tippt während unseres Gesprächs unaufhörlich in sein Handy.

 Ist Illustratorin dein Hauptberuf, der Beruf, den du gelernt hast?

VERENA: Ich wollte immer schon Illustratorin werden. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich das meiner Familie erzählt und wollte nach Graz gehen, um das zu erlernen. Aber Graz erschien mir unendlich weit weg und ich sehr jung. Also machte ich die Schule fertig und studierte anschließend Grafikdesign. Damals gab es keine Ausbildung für Illustration und während meines Studiums spielte Illustration eine untergeordnete Rolle.

 Was war der erste Job?

VERENA: Am Fließband in Attnang-Puchheim bei der Firma Spitz Piccolo-Sektflaschen vom Fließband klauben und in einen Karton stellen. Seitdem bin ich ein sehr fleißiger Mensch. Ich habe am Fließband gelernt, eine fleißige Arbeitsbiene zu werden. Das Fließband darf nicht übergehen, dieses Erlebnis habe ich verinnerlicht.

Und wann hast du begonnen, als Grafikdesignerin zu arbeiten?

VERENA: Ich habe schon während der Ausbildung zu arbeiten begonnen. Bei Nofrontiere Design und im Grafikbüro Erwin Bauer war ich grafische Gestalterin für Bücher, Broschüren, Folder, Plakate.

Wann begann sich der Wunsch zu verdichten, als Illustratorin tätig zu sein?

VERENA: Das passierte vor nicht allzu langer Zeit. Ich machte jahrelang grafische Gestaltung und Webdesign sehr gern, bemerkte aber, dass mein Herzblut versiegte, ich mich wiederhole, mich immer wieder selbst zitiere. Und der Drang Neues zu lernen, kam mir abhanden. Die praktische Routine nahm überhand. Diese Routine kommt mir heute zugute. Aber ich brauchte etwas, für das ich brenne.

Kannst du von deinen Illustrationen leben?

VERENA: Ja! Ist aber eine Lüge.  Ich habe nie ausschließlich als Illustration gearbeitet. Meine drei Standbeine: Ich illustriere, mache weiterhin Web- und Grafikdesign und habe einen Lehrauftrag an der Graphischen. Und diese Mischung und Abwechslung unterschiedlicher Aufgaben gefällt mir. Die drei Gebiete befruchten sich einerseits, andererseits kann ich bei Grafikdesign auf meine Erfahrung zurückgreifen, für Illustrationen brauche ich länger.

Was magst du an deinem Lehrauftrag?

VERENA: Bei meiner Lehrtätigkeit ist für mich ein Novum, mit so vielen Leuten zu zusammen zu sein. Das hat eine Zeitlang alle meine Energien absorbiert. Jetzt ist das viel leichter. Mittlerweile mag ich es sehr gern, die Schüler zu coachen und sie in ihren Interessen zu unterstützen, die Welt mit eigenen Augen sehen. Das Soziale an mir ist mir neu.

Bekommst du Anerkennung?

VERENA: Nachgefragt zu werden, ausgestellt zu werden, etwas angeboten zu bekommen – das ist alles eine Art von Bestätigung. Das versichert mich. Diese Anerkennung brauche ich schon. Ob Auftraggeber oder Outstandig Artist Award, Ausstellung im Karikaturmuseum Krems oder Einladung zum Internationalen Illustrationspreis. Die Außenwelt trägt an mich heran, ich darf das machen, und es ist gut.

Wann stellen sich Glücksgefühle ein beim Arbeiten?

VERENA: Das ist beim Zeichnen. Oder wenn mir ein Entwurf gefällt. Überschäumende Glücksmomente.  Da spür‘ ich, ich brauche nur das, nichts anderes und niemanden auf der Welt. Das gibt mir Zuversicht, weil – ganz  mit mir und dem Bild – alles andere keine Bedeutung hat. Das ist ein entlastendes Moment. Was andere mit Drogen machen, mach’ ich mit Zeichnen.

Was kann dieser Stift in deiner Hand?

VERENA: Alleine, dass man mit dem Stift eine Spur hinterlässt, das befriedigt mich. Das ist wie eine Sucht. Das sucht die ganze Zeit. Das ist der angenehmste Zustand: Wenn ich mit jemand spreche, daneben zu zeichnen. Ich bedecke gern Blätter mit Linien. Gedankenverloren.

Wie sieht es mit Deiner freien Zeit aus?

VERENA: Insgesamt habe ich genug Freizeit. Es gibt sehr dichte Phasen, in denen ich wenig Luft habe und sehr produktiv bin, weil ich gut mit Druck arbeiten kann. Das wechselt sich mit Zeiten ab, in denen ich mich ausrasten muss. Und ich bewege mich gern. Ich laufe, ich fahre nur mit dem Fahrrad, ich lese. Ich würde gern öfters wegfahren, aber das ging sich in den letzten Jahren finanziell nicht aus.  Jetzt ist meine Situation stabiler. Und ich bekomme Lust, in Städte zu reisen.

Was würdest du verändern, würdest du finanziell unabhängig sein?

VERENA: Ich würde nichts verändern. Meine Arbeit würde ich wahrscheinlich zugunsten der Illustration verlagern. Und vielleicht doch mehr reisen, um etwas anderes zu sehen. Seit jeher habe ich den Traum ein Projekt zu machen: Eine Weltreise, bei der ich fortwährend ein visuelles Tagebuch führe.

Verenas Website: http://friederikegruenstich.blogspot.co.at/

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