• Simplify your life(c) Miriam Mayrhofer

Die Kunst, das zu tun, was wirklich zählt

Simplify your life, your Büro, your Partnerschaft, your kitchen u.v.w. Vereinfachen, damit es dann wieder schneller geht, aber wofür? Um das zu tun ,was zählt, oder um mehr arbeiten zu können oder einfach nur Platz für Neues zu machen?

Von Miriam Mayrhofer

Viel zitiert und oft gehört. „Simplify your life, einfacher und glücklicher leben“, ein Buch von Lothar J. Seiwert und Werner Küstenmacher. Oh ja, das klingt gut. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan. Wie schwer ist es Gewohntes, Erarbeitetes, Gekauftes, das Hamsterrad zu verlassen. Und noch schlimmer, etwas loszulassen, in das man viel Energie und Zeit und auch Geld gesteckt hat. Eine ganze Industrie an Ratgebern, Beratern und Coaches hat sich dafür schon aufgetan. Doch wir lassen nicht gerne los.

Loslassen ist nicht leicht

Ich sage dazu, ich bin faul – andere würden es vielleicht effizient nennen. Ich mag mir keine unnötige Arbeit machen, sondern fürs Wesentliche Zeit haben. Wesentlich sind unteranderem für mich meine Kinder und das Lesen. Zählt das?

Durch einen Umzug im letzten Jahr habe ich mich auch zum Simplifyen angeregt und habe mich von ziemlich vielen Büchern (und auch sonstigen Staubfängern) befreit – ich habe sie sozusagen losgelassen. Was für mich auch ein qualvoller Prozess war – denn ich träumte immer von einer großen Bibliothek und aufräumen und putzen gehören nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, das sehe ich als notwendiges Übel.

Aus praktischen Gründen habe ich mich überwunden und für neues Platz gemacht. Außerdem  wollte ich nicht mehr schleppen als notwendig, das Abstauben ging mir schon auf die Nerven. Warum Bücher aufheben, die ich nicht nochmals lesen werde? Also Kartons vor die Tür (Zehn Bananenschachteln!!!), Zettel drauf: wer will kann haben. Zwei Wochen später waren fast alle Bücher weg.

Für das Loslassen meiner Bücher, brauchte ich viel Zeit, die habe ich mir genommen, um mir  Zeit für später zu schaffen. Das ist das Paradoxe daran, um Platz zu schaffen für das Wesentliche/für Neues, für Ordnung braucht man Zeit, die man erstmals investieren muss. Der Erfolg stellt sich erst später ein.

Wie im Kleinen so im Großen – wie privat so in der Wirtschaft – The Return of Aufräumen

Das Großreinemachen hat auch in der Arbeit seinen Sinn und ist auch wirtschaftlich – aber hierfür braucht man Zeit: „Das Semco System“ ist der Titel eines Sachbuches und Managementsystems des brasilianischen Unternehmers Ricardo Semler – in dem Maschinenbau-Unternehmen wird zweimal im Jahr ausgemistet, der Betrieb sperrt dann jeweils für einen Nachmittag zu. In den Büros werden überflüssige Akten weggeworfen, Fabrikarbeiter beseitigen Schrott und angehäuften Unrat, davon ist niemand ausgenommen und angeblich nichts sicher davor.

Semco ist ein Unternehmen, das im Film von Elisabeth Scharang „Kick out your Boss“ gezeigt wird. Vieles in diesem Unternehmen sprengt sicherlich derzeit das wirtschaftliche Denken einiger und unsere Vorstellung von Arbeit – doch es funktioniert. Die Zahlen des Unternehmens sprechen wahrlich für sich. Der Betrieb hat eine radikale Demokratisierung der Unternehmensprozesse und eine Neu-Definition der Unternehmensstruktur von Führungsaufgaben bis hin zur Produktion vorgenommen.  Und dazu gehört auch das Aufräumen :) .

Im Grunde ist es einfach: das Sammeln, das Horten von Dingen, braucht Platz und raubt Energie. Der Platz kostet noch dazu Geld und die Energie ständig zu suchen, zu schlichten und abzustauben fordert auch seine Zeit. Diese Zeit hält ab vom Wesentlichen und auch von der Arbeit.

Na Lust gekriegt zum Aufräumen?

Wie schaut es bei dir aus auf dem Schreibtisch, im Archiv, auf der Festplatte, im Lager, zu Hause – nimmst du dir die Zeit immer wieder Ordnung zu machen? Wie so oft geht es einfach um das Tun. Mach’ es! Fang’ einfach an. Die Belohnung kommt später. In Gesellschaft, mit Musik oder z.B. einem Hörbuch kann es noch dazu Spaß machen und man nutzt die Zeit doppelt. Viel Freude beim Räumen. Beim Vereinfachen.

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