• Lukas Bauer freut sich einfach, wenn er Menschen helfen kann, die das tun woran sie glauben. Das Anliegen muss er nicht zwingend teilen © Jakob GlaserLukas Bauer freut sich einfach, wenn er Menschen helfen kann, die das tun woran sie glauben. Das Anliegen muss er nicht zwingend teilen © Jakob Glaser

“Campaigning is a working style”

Lukas macht Campaigning. Was ist das genau und was arbeitet Lukas, wenn eine Woche schon mal über sechzig Arbeitsstunden fasst? Ein Gespräch über Einfluss, Geld und Schlafenszeiten.

Von Maria Motter

Was kann man sich unter „Campaigning“, unter deiner Arbeit, vorstellen?

Wir definieren Campaigning so, dass es darum geht, Menschen für ein Anliegen zu mobilisieren. Das können Kunden, Mitarbeiter, Mitglieder oder einfach Sympathisanten sein. Wichtig ist das Anliegen das im Vordergrund steht. In der Praxis kann es dann mannigfaltige
Ausprägungen haben. Etwa einen Kunden zu einem Marken-Botschafter zu entwickeln.

Und was machst du in deinem Arbeitsalltag?

Mein Alltag besteht im Kern aus einem klassischen Projektmanagement mit einem sehr methodischen Ansatz den wir im Unternehmen entwickelt haben. Generell ist alles sehr Zahlen getrieben. Testing und daraus Erkenntnisse ziehen steht bei uns stark im Fokus.

Das klingt sehr umfangreich, aber auch sehr technisch.

Es ist meist viel Technik mit dabei, im Vordergrund geht es aber darum, Anlässe zu finden und diese dann passend für die Zielgruppe zu übersetzen. Technik ist immer nur das Werkzeug.

Es gibt einen schönen Comic: Zwei Menschen sitzen in einem Raum. Der eine fragt: „Was ist deine digitale Strategie?“ Der andere antwortet: „Jetzt machen wir YouTube, Facebook, Pinterest.“ – „Ja, und was machen wir dann dort?“ – „Das überlegen wir uns später!“

Man muss sich überlegen: Was will man überhaupt? Was ist das Ziel? Was der Sinn und Zweck? Und welche Stufen zieht man dazwischen ein um aus einem grundsätzlich committed zu einer Sache, passionierte Leader zu entwickeln.

Wie bist du dort gelandet, wo du jetzt bist und arbeitest?

Mehr oder weniger Zufall. Ich habe ganz frech gefragt. Ich habe meinen jetzigen Chef bei einer Konferenz gesehen. Ich habe im Anschluss mitbekommen, dass er gerade eine Firma gegründet hat und hab’ mich schlicht aufgedrängt: „Er kennt mich nicht, doch irgendwann wird er einen Mitarbeiter brauchen und das wäre dann ich.“ Ein paar Wochen später hab ich dann hier angefangen.

Und wie ist heute euer Verhältnis, zwischen dir als Angestelltem und dem Chef?

Fordernd und fördernd. Ich für meinen Teil, bin sehr glücklich ein Umfeld gefunden zu haben, dass mir erlaubt mich selbst weiter zu entwickeln. Was nicht selbstverständlich ist.

Campaigning, das stellt man sich als Laie auch als Jet-Set-Leben vor. Abends Empfänge und tolle Leute kennenlernt (?) und mit allen auf du und du ist.

Kann sicher sein, wenn man es drauf anlegt. Aber am Ende bleibt es was es ist, Arbeit. Es klingt lustig, wenn man geschwind einmal in eine andere Stadt fliegt. Im Endeffekt heißt das, dass man ganz früh aufsteht und am nächsten Tag ins Büro kommt mit einer To-Do-Liste von hier bis Texas. Zudem hat man einen ganzen Tag gefühlt fast nicht gearbeitet und quasi keine E-Mails beantwortet.

Die Arbeit ist schon sehr intensiv. Man muss Abstriche machen und einschätzen können, was geht und was nicht. Aber damit geht vermutlich jeder anders um.

Aber das heißt auch, dass du extrem viel auch unbezahlt arbeitest?

Das weiß ich gar nicht, ich sehe das nicht so. Meine Arbeit ist sehr Projekt bezogen. Ich finde es hat auch sehr viel mit Verantwortung zu tun.

Und magst du dein Arbeitsumfeld?

Total! Bei uns gibt es keinen Neid. Bei uns hasst sich keiner. Das ist einfach total angenehm.

Was macht das aus, dass es bei euch keinen Neid gibt?

Ich glaube, das geht gar nicht anders. Es ist ein gewisser Arbeitsstil, den man mag oder nicht. Wenn man ihn mag, ist es ein permanentes Ans-Limit-Gehen. Das geht nur, wenn man Support bekommt von allen. Kleinkriege im Büro, die würden einen wirklich fertig machen. Das will ich nicht, das mag ich nicht. Ich will nicht streiten. Ich will nicht den Großteil meiner Zeit – und das ist einfach die Arbeit – in einer unguten Situation sein. Wenn dem so wäre, würde ich mir etwas anderes suchen.

Was macht dich froh?

Zeit!

Zeit wozu?

Das weiß ich noch nicht! Zeit um zu Ruhe zu kommen und sich selbst zu sensibilisieren um offen für Neues zu sein.

Ich glaube, man muss es realistisch sehen. Es ist vermutlich nicht gesundheitsfördernd permanent so intensiv zu Arbeiten. Halbwegs vernünftig essen, anständig zu schlafen und hin und wieder oder regelmäßig Sport machen hilft sicher. Ich für meinen Teil sehe es als Investment in mich selbst, also in meine Zukunft.

Ist das auch eine Form der Selbstoptimierung, bei der man mitmachen muss? Oder warum machst du das?

Ich glaube, die Zeiten sind vorbei, in denen es darum ging, mehr und mehr zu verdienen. Für mich fühlt es sich so an, als wären wir die erste Generation, die immer alles zu Weihnachten bekommen hat, was sie sich gewünscht hat. Also zumindest ich habe immer alles zu Weihnachten gekriegt, was ich mir gewünscht habe.

Und Arbeit war schon definiert als arbeiten zu gehen, um Geld zu verdienen?

Nein, überhaupt nicht. Es geht auch nicht ums Geld. Das Geld kommt automatisch, mit der Zeit. Geld passiert. Ab einem gewissen Level fängt es an, dass es angenehm wird; dass man sich ein angenehmeres Leben leistet. Aber Geld macht nicht glücklich – mich garantiert nicht. Ein gewisses Mindestmaß, so dass man nicht arm ist, das ist natürlich angenehm! Aber das ist nicht mein Antrieb. Der Antrieb ist, besser zu werden in dem, was man tut, in diesem Drang, Dinge zu verändern, so dass man’s spürt.

Ich glaube, das wäre das Allerschlimmste, wenn ich irgendwo arbeiten würde und etwas mache, was keine Einwirkung auf irgendetwas hat. Ich habe das Bedürfnis zu verändern.

Ich habe wahnsinnige Lust am Veränderungsprozess. Ich freue mich einfach, wenn ich Menschen helfen kann, die das tun woran sie glauben. Das Anliegen muss ich nicht zwingend 100% teilen, ich kann vielleicht auch mal anderer Meinung sein aber wenn sie sich freuen, freue ich mich.

Wie schaut es mit Gestaltungsmöglichkeiten in der Firma, für die du arbeitest, aus? Kannst du Dinge mitgestalten?

 

Absolut. Wenn man eine lässige Idee hat, wird sich ein Weg finden.

Was würdest du jetzt mit deinem Leben machen, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe?

Wahrscheinlich das Gleiche. Es kommt darauf an, wie hoch das bedingungslose Grundeinkommen wäre! Aktuell würde ich wahrscheinlich einmal ein halbes bis dreiviertel Jahr nichts tun, in Thailand am Strand sitzen und Bücher lesen. Um nach einem halben Jahr zu bemerken, dass mir urfad wird.

Manchmal vermisse ich schon, aufzustehen wann ich will und mal zu schauen, was geht. Einfach vollkommen planlos in den Tag zu starten. Aber ich glaube, ich würde mittelfristig eins zu eins dasselbe machen.

Generell stehe ich dem bedingungslosen Grundeinkommen aber eher skeptisch gegenüber. Ich bin mir nicht sicher, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen förderlich für den eigenen Antrieb ist.

Aber Zeit hätte man dann.

Aber Zeit alleine ist auch nicht das, was zählt. Sondern, in was man Zeit investiert.

Vorletzte Frage: Müssen Kollegen Freunde sein?

Nein.

Und was wolltest du als Kind werden?

Sportmoderator.

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